Wie wir in der Arbeitswelt glücklicher werden

Wie wir in der Arbeitswelt glücklicher werden

Wenn wir einen ehrlichen Blick auf unser Arbeitsleben werfen, sehen wir, dass Vieles nicht ideal läuft. Hohe Krankheitsraten und Burnout sind nur zwei Symptome eines krankmachenden Arbeitssystems. Doch was muss sich genau ändern, damit unsere Arbeitswelt wieder gesünder wird und sich die einzelnen Menschen darin wieder glücklich, zufrieden und selbstbestimmt fühlen können? In diesem Blogbeitrag greife ich 5 der größten aktuellen Herausforderungen in der Arbeitswelt heraus und stelle mögliche Lösungen dazu vor.

  1. Herausforderung „Sinn“: MitarbeiterInnen haben in unserer Arbeitswelt oft das Gefühl, sinnlose oder nutzlose Dinge zu tun. Das kommt vor allem daher, weil die Arbeitsprozesse in so viele Einzelschritte unterteilt sind, die von verschiedenen Menschen erledigt werden und so die meisten dieser Menschen gar nicht mitbekommen, welches Ergebnis und somit welchen Sinn ihre Arbeit überhaupt hat.

Lösung: Hier gilt es, Arbeitende wieder soweit möglich in ganzheitliche Arbeitsprozesse einzugliedern. Wenn Menschen einen Arbeitsprozess von Anfang bis Ende mitgestalten können, gibt es ihnen ein Gefühl von kreativer Kraft und Sinn in der Welt. Es macht sie glücklich. Sollte dies nicht oder nicht immer möglich sein, sollten MitarbeiterInnen stets über den Erfolg des Arbeitsprozesses, an dem sie mitgearbeitet haben, informiert werden.

2. Herausforderung „Monotonie“: Die Arbeit langweilt viele Menschen. Immer noch gibt es heutzutage Arbeiten, die sehr monoton sind, und selbst die spannendste Arbeit kann über die Zeit zur Routine werden.

Lösung: Hier braucht es immer wieder neue und vielfältige Aufgaben. Unser menschliches Gehirn ist auf Abwechslung gepolt. Wenn wir immer wieder neue Herausforderungen auf positive Weise meistern dürfen, wird unser Gehirn aktiviert und Glückshormone ausgeschüttet. Wir sind in einem abwechslungsreichen Umfeld kreativer und können mehr von unseren Potentialen verwirklichen.

3. Herausforderung „Feedback“: Wie schon oben angesprochen, ist eine Rückmeldung sehr wichtig für die Motivation von Arbeitenden. Auch eine sehr sinnvolle Arbeit kann demotivierend werden, wenn die betreffende Person keine Rückmeldung zu ihrer Arbeit bekommt. Als soziale Wesen brauchen wir kommunikatives Feedback, um uns wertvoll zu fühlen.

Lösung: Das Einführen einer lebendigen Feedback-Kultur ist ein wichtiger Schritt in Arbeitskontexten. Jedoch gibt es dabei Einiges zu beachten. Das Feedback sollte auf jeden Fall respektvoll und auf Augenhöhe sein. Und es sollte sich nicht um klassisches Lob handeln, denn dieses hat meist nur wenig nachhaltige Wirkung. Die Krux beim klassichen Lob ist, dass unser Gehirn durch Lob misstrauisch wird und das zu Recht: wo Lob ist, da kann auch Kritik sein. Ein Feedback aus der Ich-Perspektive auf respektvolle Art und mit sachlichem Fundament ist hier eine weit bessere Lösung.

4. Herausforderung „Konflikte“: Viele Vorgesetzten-MitarbeiterInnen-Beziehungen gleichen einer Eltern-Kind-Beziehung und nicht einer Beziehung zwischen Erwachsenen. Dabei gibt es oft die gleichen Probleme und Konflikte wie in Familien: Wie Eltern können Vorgesetzte ihre Macht in unguter Weise gebrauchen. Auf der anderen Seite können MitarbeiterInnen wie trotzige Kinder mit Strategien der Verweigerung, Verzögerung oder Sabotage gegen ihre Vorgesetzten rebellieren. Auch zwischen MitarbeiterInnen kann es Eltern-Kind-Dynamiken geben.

Lösung: Hier gilt es, eine Beziehung zwischen Erwachsenen herzustellen. Das kann auf vielfältigste Art geschehen. Dass die MitarbeiterInnen im Bereich der zwischenmenschlichen Konfliktlösung gut geschult sind, ist hier zunächst eine Grundvoraussetzung  für eine respektvolle Kommunikation auf Augenhöhe und ist in jedem Arbeitskontext eine gute Investition. Um die Augenhöhe weiter zu verstärken, können Vorgesetzte statt der klassischen MitarbeiterInnengespräche, wo es um eine Beurteilung der Stärken und Schwächen der Mitarbeiterin geht, ein offenes Gespräch anregen. In diesem Gespräch könnte die Mitarbeiterin selbst über ihre Arbeit reflektieren und sich Ziele setzen. Eine weitere Möglichkeit ist, dass Vorgesetzte bei Konflikten im Team vorschlagen können, den Konflikt untereinander zu lösen und nur wenn dies nicht möglich ist, als Vermittlung hinzuzutreten.

5. Herausforderung „Arbeit und Leben“: Viele Arbeitende haben derzeit das Gefühl, dass ihre Arbeitszeit auf Kosten ihrer Lebenszeit geht. Für viele ist es fast unmöglich gerade eine 40-Stunden-Woche mit anderen Verpflichtungen wie Familie oder ausreichend Entspannungszeiten zu vereinbaren. Daher arbeiten gerade Frauen oft weniger Stunden und verdienen daher auch weniger.

Lösung: Wie ich in meinem vorletzten Blogeintrag bereits geschrieben habe, braucht die 40-Stunden-Arbeitswoche als Standard dringend eine Überholung. Eine Einführung einer Vertrauensarbeitszeitregelung wäre eine Lösung. Die Standard-Arbeitszeit könnte bei 30 Stunden pro Woche liegen, da Studien festgestellt haben, dass wir uns nicht länger konzentrieren können. Die Arbeitenden können sich bei einem Vertrauensarbeitsmodell ihre Arbeitszeit zum großen Teil selbst einteilen, doch stehen sie zu bestimmten Zeiten für Besprechungen und Kontakt mit KollegInnen zur Verfügung. Dieses Modell basiert auf dem Vertrauen in die Menschen und auf dem Wissen, dass Menschen gerne arbeiten, wenn sie sich frei entfalten können und Sinn in ihrer Tätigkeit sehen. Einige werden sicher gerne mehr arbeiten als die vorgegebene Standardzeit, doch das liegt in ihrem Ermessen und ist in der Freude an der Arbeit begründet und nicht in einem Zwang.

 

Die hier vorgestellten Lösungen sind ein Anfang in Richtung mehr Erfüllung am Arbeitsplatz. Wer sich noch tiefer mit dem Thema beschäftigen will, dem kann ich hier noch kurz einen Ausblick geben, in welche Richtung es aktuell zu gehen scheint. Derzeit gibt es immer mehr Menschen, die nach neuen Arbeitskontexten suchen und diese auch bereits aufgebaut haben. Es gibt Unternehmen und Organisationen, die bereits seit Jahrzehnten eine lebendige Form der Arbeitsorganisation pflegen, der so genannten „evolutionären Form“ der Arbeitsorganisation. Die Macht haben hier nicht mehr nur einige Wenige an der Spitze der Unternehmen, sondern alle MitarbeiterInnen. Gleichzeitig gibt es klare Strukturen und sehr gute und schnelle Wege der Entscheidungsfindung. Dies führt zu mehr Sinn und Zufriedenheit unter den MitarbeiterInnen. Wer sich für diesen äußerst spannenden Umbruch in der Arbeitswelt interessiert, dem empfehle ich sehr das Buch „Reinventing Organizations. Ein Leitfaden zur Gestaltung sinnstiftender Formen der Zusammenarbeit“ von Frederic Laloux. Ich wünsche viel Freude bei der Arbeit!

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