Wenn Frauen zu sehr lieben

Wenn Frauen zu sehr lieben

Um Erfahrungen im Leben und in der Liebe von Frauen besser verstehen zu können, lohnt es sich oft, einen Blick auf die weiblichen Archetypen zu werfen. In meinem letzten Blogartikel habe ich über die Königin geschrieben. Die Königin gehört zu den weiblichen Archetypen, also den Aspekten, die alle Frauen in sich tragen (passend dazu gibt es die männlichen Archtetypen). Neben der Königin, der Kriegerin und der Heilerin gibt es als vierten Archetypus die Liebende, über die ich heute schreiben möchte. Wenn Frauen nämlich zu stark aus der Qualität der Liebenden heraus handeln, laufen sie Gefahr, sich in ungesunden und unglücklichen Beziehungsmustern zu verfangen.

Viele verletzende Beziehungskonstellationen, in die sich Frauen begeben, basieren auf einer zu starken Identifizierung mit der Rolle der Liebenden. Glaubenssätze, die frau in solchen Situationen oft hat, sind beispielsweise „Ich muss ihn nur stark genug lieben, dann wird er … mir mehr Beachtung schenken, weniger trinken, früher nach Hause kommen etc.“. In vielen Fällen hält die Frauen vor allem eines davor zurück, sich aus der Beziehung zurückzuziehen: die Angst vor dem Alleinsein. In meiner Arbeit zeigt sich immer wieder, wie wichtig es ist für Frauen, diesen Schlüsselbereich zu bearbeiten, damit sie wieder gesündere Beziehungen führen können.

Auf Archetypus-Ebene gesehen ist es wichtig, dass Frauen ihrem Kriegerin-Anteil wieder mehr Raum geben. Die Kriegerin sagt: „Ich bin. Was ich habe, ist verzichtbar. Ich bereit es zu opfern, und meinen Weg zu gehen, den ich für richtig halte. Nur wer sich würdig erweist, den dulde ich an meiner Seite.“ Diesen Anteil in sich zu stärken ist ein wichtiger und oft nicht leichter Weg im Leben einer Frau. Es gilt zu erkennen, dass Selbstliebe an erster Stelle steht und manchmal bedeutet, dass die Liebe zu einem anderen Menschen nicht lebbar ist, ohne diese Selbstliebe aufzugeben. Die Kriegerin erinnert Frauen auch immer wieder, ihre Werte in Beziehungen nicht aufzugeben und keine faulen Kompromisse (aus Angst vor Verlust) einzugehen. Dazu gehört auch, erst einmal herauszufinden, was die eigenen Werte sind und dann zu 100 Prozent hinter diesen Werten zu stehen.

Psychologisch gesehen ist die Liebende ein Ergebnis unserer frühen Beziehung zur Mutter: Die Mutter ist die erste Person, von der wir lernen, wie Liebe und Beziehung funktioniert. Wenn wir als Kind das Gefühl haben, dass die Liebe unserer Mutter nicht bedingungslos gegeben wird, entwickeln wir ein Mangelgefühl. Aus diesem Mangelgefühl heraus versuchen Frauen dann in ihren Beziehungen später entweder einen Mann zu finden, der eine mütterliche Rolle einnimmt, oder den sie selbst bemuttern und bedingungslose Liebe geben wollen. Auch lernen wir natürlich von der Art und Weise, wie sich unsere Mutter ihren Partnern gegenüber verhalten hat: Steht sie zu ihren Werten? Aus welchen Gründen bleibt sie in der Beziehung?

Vor diesem Hintergrund sind wir Frauen aufgefordert, uns ehrlich diesen Fragen zu stellen: Was sind unsere eigenen Werte? Was wollen wir wirklich in Beziehungen? Und dann geht es darum, unsere Grundsätze klar und deutlich gegenüber unseren Partnern zu formulieren. Wecke die Kriegerin in dir!

 

[Bildnachweis: fotolia/ zolotareva_elina]